Dresden  und Umgebung

Andreas Rudolf  //  

May 25 / 3:45pm

Steinbrück bespricht Sarrazin und entlarvt #seine #eigene #verblendete #Sichtweise [Via Nachdenkseiten]


Steinbrück bespricht Sarrazin

und entlarvt seine eigene verblendete Sichtweise

 

[via Nachdenkseiten]
 
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13342
 

Auf FAZ online (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/steinbrueck-rezensiert-sarrazin-unpolitisch-aufs-scheitern-fixiert-11761264.html#Drucken) rezensiert Peer Steinbrück das neue Buch von Thilo Sarrazin. In zwei kleinen Absätzen wird dort, besser als in allen anderen Papieren, die ich kenne, dokumentiert, worunter die deutsche Politik im Allgemeinen und die SPD im Besonderen leiden.

Steinbrück bespricht Sarrazin und entlarvt seine eigene Sichtweise auf den Euro als genauso falsch wie die desjenigen, dessen Buch er bespricht.

Von Heiner Flassbeck.

Steinbrück schreibt:

"Sarrazins These, dass Deutschland den Euro nicht brauche, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, ist einmal mehr eine seiner lustvollen Zuspitzungen, die zu nichts führen. Klar könnte Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit auch ohne Euro sichern. Aber der Euro erleichtert dies und hat das seit seiner Einführung auch nachweislich getan. Ein so exportgetriebenes Wachstum- und Wirtschaftsmodell wie Deutschland, das um 40 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung über Exportaktivitäten generiert, profitiert enorm davon, dass die Währungsunion den Binnenhandel verstärkt hat, dass Wechselkursrisiken und Kurssicherungsgeschäfte wegfallen, dass sich der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr verbilligt, dass für Produzenten und Konsumenten Preistransparenz besteht und sich integrierte Kapitalmärkte positiv auf die Unternehmensfinanzierung auswirken.

Grotesk mutet die Verharmlosung von Aufwertungen an, denen eine D-Mark unter seinerzeitigem Verzicht auf die Währungsunion oder nun bei ihrer Abschaffung ausgesetzt wäre. Ohne den Euro müsste Deutschland wohl den Weg der Schweiz bestreiten. Die mussten ihren Franken allerdings um mehr als zwanzig Prozent gegenüber dem Euro trotz massiver Intervention ihrer Zentralbank aufwerten. Demnach müsste Deutschlands Exportsektor ohne Währungsunion diese zwanzig Prozent bei den Stückkosten ausschwitzen, um seine Außenwirtschaftsposition zu halten. Für den Fall, dass Deutschland den Euro-Raum verlassen wollte, gehen Fachleute von einer Aufwertung der neuen D-Mark um vierzig Prozent (!) aus und in der Folge von einem Handelsrückgang um zwanzig Prozent plus einer massiven Abwertung der Aktiva deutscher Banken. Vor diesem Hintergrund erscheint Sarrazins These als grober ökonomischer Unfug."

Beide verstehen offenbar nicht, dass ein Land alleine niemals seine "Wettbewerbsfähigkeit sichern" kann. Will auch Deutschland (wie die Schweiz oder China) mit Interventionen in den Devisenmärkten der ganzen Welt verhindern, dass die eigene Währung aufwertet? Wie verhindert dann Deutschland als die zweitgrößte Exportnation der Welt, dass andere Länder protektionistische Maßnahmen wie Zölle ergreifen, um ihre Auslandsverschuldung zu begrenzen? Mit der Bundeswehr?

Steinbrück hat Recht, dass der Euro die Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit in einer historisch einmaligen Weise erlaubt hat. Nur, das ist genau das Problem, unter dem der Euro heute leidet! Es wurde eben nicht nur der Binnenhandel verstärkt und der Zahlungsverkehr erleichtert, wie Steinbrück meint. Deutschland hat mit seinem Lohndumping, das wirklich von fast niemandem (außer ein paar Verteidigern der rot-grünen Agenda Politik wie Franz Müntefering und Frank Walter Steinmeier) mehr bestritten wird, die Nachbarn systematisch in Leistungsbilanzdefizite getrieben und deren Wettbewerbsfähigkeit in einem Maße verschlechtert, das historisch einmalig ist.

Das kann heute, wenn Deutschland bei seiner Linie geringer Lohnsteigerungen bleibt (was nach den letzten Abschlüssen wahrscheinlich ist) nur noch mit extremen Maßnahmen wie absoluter Lohnsenkung in den Defizitländern bekämpft werden, was aber dramatisch negative Auswirkungen auf den dortigen Binnenmarkt hat mit explodierenden Arbeitslosenzahlen und extremen politischen Verwerfungen. Will man das verhindern, gibt es nur den Weg der allmählichen Verschlechterung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit über Lohnerhöhungen jenseits der deutschen Produktivität plus der gemeinsam festgelegten Inflationsrate von 2 % im Euroraum.

Die Logik erfordert, dass Deutschland seine Leistungsbilanzüberschüsse abbauen muss, wenn die anderen Länder in der Lage sein sollen, ihre Auslandsschulden nicht weiter zu erhöhen, sondern sogar zu vermindern, ganz gleich auf welchem Wege. Mögliche Aufwertungen zu verharmlosen ist deswegen genauso wenig sinnvoll wie die Aussage, man müsse ohne den Euro 20 % Aufwertung bei den Lohnstückkosten "ausschwitzen", um seine Wettbewerbsposition zu halten.

Deutschland muss seine Wettbewerbsposition mit oder ohne Euro räumen (AM: mindern), daran geht kein Weg vorbei. Nur der ist ein guter, weil nicht gegen die Logik verstossender Politiker, der das erkennt und Strategien entwickelt, wie das ohne katastrophale Zuspitzungen zu erreichen ist. Lohnerhöhungen stehen dabei wegen ihres Gewichts für den Binnenmarkt mit großem Abstand an erster Stelle. Wenn die SPD nicht begreift, dass man ohne eine moderne Sicht auf die Rolle der Lohnpolitik niemals eine andere und schon gar keine genuin sozialdemokratische wirtschaftspolitische Konzeption anbieten kann, wird sie weiter strampeln müssen, um als Juniorpartner an den Fleischtrögen der Macht Platz nehmen zu dürfen. Wenn sie diesen Platz verliert, weil er über kurz oder lang zusammen mit den Fleischtrögen in die Luft fliegt, ist es für eine sinnvolle Konzeption zu spät.


May 25 / 2:47pm

--->>> Menschen womöglich krank therapiert wurden .. mehr um 20:15 Uhr in #MONITOR auf #tagesschu24


Die Jagd nach Patienten?

Wie an der Rhönklinik in Hildesheim Menschen womöglich krank therapiert wurden

 
Bericht: Ursel Sieber, Jan C. Schmitt, Monika Wagener, Lena Brochhagen
 
Monitor Nr. 634 vom 24.05.2012

http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/0524/patienten.php5
 

Sonia Seymour Mikich: "Die Ökonomisierung aller Verhältnisse, auch der Gesundheit. Zu wenige Patientenrechte, zu viele unnötige Operationen. Das will die Regierung korrigieren, so die Nachrichten gestern. Ja, in deutschen Kliniken läuft vieles schief. Und es gibt einen Konflikt zwischen Patientenwohl und wirtschaftlichen Interessen. Man geht dahin, um gesund zu werden und gerät in eine Industrie. Ein ganz krasses Beispiel enthüllen Monika Wagener, Ursel Sieber, Jan Schmitt und Lena Brochhagen."

Es ist ein Medizinkrimi. Er handelt von dem Arzt Dr. H., der Patienten anscheinend unnötig mit radioaktivem Jod behandelt hat. Er handelt von Patienten, denen womöglich geschadet statt geholfen wurde. Und es geht um die Frage, welche Rolle das Klinikum Hildesheim dabei gespielt hat, eine Klinik des zweitgrößten privaten Krankenhausbetreibers Rhön. Es geht um eine Recherche, die uns bis nach Neuseeland führt. Es geht um die Jagd nach Patienten. Wir bekommen einen Hinweis von diesem Mann, Dr. Wolfgang Bergter. Er hatte eigentlich nur eine Praxisvertretung bei einem Nuklearmediziner übernommen. Er behauptet, dort auf unglaubliche Dinge gestoßen zu sein. Reihenweise Fehlbehandlungen, bei denen Patienten geschädigt worden seien.

 

Dr. Wolfgang Bergter, Nuklearmediziner: "Zu Anfang dachte ich, es könnte ein einzelner Fehler gewesen sein, aber ich bin dadurch, dass ich die Patienten natürlich selber auch gesehen und betreut habe, immer wieder darauf gestoßen, dass falsche Diagnosen gestellt wurden und das machte mich dann natürlich irgendwann stutzig."

Wurde tatsächlich eine Vielzahl von Menschen in einem Krankenhaus krank gemacht? Und keiner hat etwas bemerkt? Hier in Hildesheim soll es sich abgespielt haben. Hier treffen wir Katrin Schulz. Sie wurde von ihrer Hausärztin wegen einer Entzündung der Schilddrüse zu dem Nuklearmediziner Dr. H. ans Klinikum Hildesheim überwiesen.

Katrin Schulz, Patientin: Also ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Die Ärzte waren sehr sympathisch, sehr nett, sehr freundlich und man hatte als Patient das Gefühl, so, endlich versteht mich jemand, endlich wird mir wirklich geholfen. Zweimal behandelte sie der Arzt mit einer sogenannten Radiojodtherapie. Dabei muss der Patient eine Kapsel mit radioaktivem Jod schlucken. So wird die Schilddrüse von innen bestrahlt, mögliche Knoten werden zerstört. Das Problem: Gibt es keine Knoten, schädigt das radioaktive Jod die eigene Schilddrüse. Die kann dann lebenswichtige Hormone nicht mehr produzieren, genau das scheint bei Katrin Schulz passiert zu sein. Sie muss lebenslang Ersatzhormone schlucken. Wir zeigen ihre Arztbriefe und Befunde Professor Roland Gärtner von der Universitätsklinik München. Danach ist das für ihn ein klarer Fall von Fehlbehandlung.

 

Prof. Roland Gärtner, Universitätsklinik München: "Was einen sehr wundert und was eigentlich schon jeder Medizinstudent schon wissen muss, dass wann man die Radiojodtherapie macht und dass in diesem Fall mit Sicherheit die Radiojodtherapie nicht indiziert war."

Er hatte die Behandlung trotzdem angeordnet: Dr. H., der im Klinikum praktizierte und dort gleichzeitig für die Klinik die Radiojodtherapien überwachte. So konnte er sich selbst die Patienten überweisen. Und niemand stutzte: Obwohl er so pro Jahr bis zu 548 Radiojodtherapien im Klinikum Hildesheim machte, fast dreimal so viel wie statistisch erwartet. Sie dachten, das komme vom guten Ruf von Dr. H., sagt die Klinik heute. So viele Fälle - wegen des guten Rufes? Wir finden noch weitere fragliche Arztbriefe und legen sie Professor Gärtner vor.

Prof. Roland Gärtner, Universitätsklinik München: "Alle diese Patienten, die behandelt worden sind, was ich gesehen habe, die waren nach der Behandlung kränker als zuvor. Die waren vorher ... Zum Teil hatten sie eine normale Schilddrüsenfunktion, manche hatten eine Schilddrüsenunterfunktion unter Schilddrüsen-Hormontherapie, weil die Schilddrüse sowieso schon nicht funktioniert hat. Man hat aber das bisschen, was noch funktioniert hat, dann auch noch ausgeschaltet."

Der Ärztekammer Niedersachsen ist lange nichts aufgefallen. Erst nach Beschwerden wurde Dr. H. aufgefordert, ausführliche Falldokumentationen vorzulegen. Doch da stirbt der Nuklearmediziner plötzlich. Er kann jetzt nichts mehr erklären. Aber er arbeitete ja nicht alleine. Mit ihm arbeitete noch ein anderer Arzt, Dr. M., der bis vor kurzem noch in der Praxis als Assistenzarzt tätig war. Erst scheint Dr. M. wie vom Erdboden verschluckt. Dann finden wir ihn schließlich doch noch - am anderen Ende der Welt, in Neuseeland. Auf seine Arbeit in Hildesheim möchte er aber ganz offensichtlich nicht angesprochen werden.

Reporterin: "Guten Tag, Lena Brochhagen von der ARD. Wir sind hier, weil in Hildesheim es viele Patienten ... Sagen Sie etwas dazu, zu den Radiojodtherapien. Wir möchten Ihre Position kennen lernen."

Schade, Dr. M. könnte sicher einiges erklären. Aber wir bekommen ein internes Gutachten der Ärztekammer zugespielt. Schon in einer Stichprobe von nur 17 willkürlich herausgegriffenen Fällen fand die Ärztekammer eine klare Fehlbehandlung, bei der die "Indikation zur Radiojodtherapie überhaupt nicht gegeben" war, in einem weiteren Fall war die Behandlung laut Gutachten "nicht nachvollziehbar". Drei weitere Fälle galten als ausgesprochen fraglich. Von zahlreichen "falsch dokumentierten Laborwerten" ist die Rede und sogar von "bewusster Manipulation". Wie ist das möglich, dass ein Arzt in einem Klinikum so arbeitet und offenbar nicht kontrolliert wird? Der Rhön-Konzern, dem das Klinikum gehört, will jetzt 2.000 Patientenakten überprüfen, weist aber jede Verantwortung von sich.

 

Max Müller, Rhön Klinikum AG: "Also wir sind natürlich vollkommen überrascht und nahezu fassungslos ob dieser Tatsache. Erklären können wir uns das angesichts eines wissenschaftlich tadellosen Rufes von dem behandelnden Arzt nach wie vor nicht. Wir haben Kenntnis davon erlangt Ende März, am 30.03., um genau zu sein. Und es gab vorher zu keinerlei Zeitpunkt irgendwelche Hinweise, insofern ist das für uns vollkommen überraschend."

Vollkommend überraschend? Wir erfahren, dass viele Nuklearmediziner im Raum Hannover das Wirken von Dr. H. schon lange mit Sorge beobachteten. Die Klinik dagegen sagt, sie war ahnungslos. Klar ist, das Klinikum profitierte von Dr. H's. Zuweisungen mit jährlich geschätzt 1,2 Millionen Euro, denn Radiojodtherapien werden gut bezahlt. Dr. H. sei pauschal entlohnt worden. D.h. also, vor allem die Klinik profitierte, und zwar von jedem zusätzlichen Patienten.

Sonia Seymour Mikich: "Falsch behandelt, aber richtig kassiert? Nur ein Einzelfall? Das Stichwort ist Jagd nach Patienten!"



May 25 / 12:30am

--->>> Aufarbeitung: Tagungsband "Anatomie im Nationalsozialismus" erschienen [via idw]


Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Jena, Dr. Uta  von der Gönna, 24.05.2012 15:36

Aufarbeitung: Tagungsband "Anatomie im Nationalsozialismus" erschienen

Deutsche Anatomen waren direkt oder indirekt in die Gewaltherrschaft der
Nationalsozialisten einbezogen. Sie übernahmen Tausende von Leichnamen von
NS-Opfern zur "Nutzung" in der anatomischen Forschung und Lehre. Diese
Verstrickung war Thema einer internationalen Tagung der Anatomischen
Gesellschaft in Würzburg im Oktober 2010. Beiträge zu dieser Tagung sind
jetzt in einem Sonderheft der Fachzeitschrift  "Annals of Anatomy"
erschienen.

Die Publikationen stammen nicht nur von Anatomen, Medizinhistorikern und
Historikern aus Deutschland, sondern auch aus Großbritannien, Israel und
den USA. Gast-Herausgeber des Sonderheftes sind zwei Experten auf dem
Gebiet, Dr. Sabine Hildebrandt, eine Anatomin deutscher Abstammung, die an
der University of Michigan lehrt, und Prof. Dr. Dr. Christoph Redies,
Leiter des Instituts für Anatomie I der Universität Jena.

Mehrere Beiträge zu dem Sonderheft beleuchten die Rolle deutscher Anatomen
bei der Nutzung von Leichnamen hingerichteter Personen, die Opfer der NS-
Unrechtsjustiz wurden. Beispielhaft wird diese Problematik für die
Universitäten Gießen, Göttingen, Halle/Saale, Jena und Würzburg
beschrieben. "Es ist davon auszugehen, dass es an fast allen anatomischen
Instituten des Deutschen Reichs ähnliche Vorkommnisse gab", so Christoph
Redies, der die Geschichte des Anatomischen Instituts in Jena während des
Dritten Reiches dokumentierte. Andere Beiträge befassen sich mit der
Frage, wie bis in die jüngste Vergangenheit mit diesem dunklen Kapitel der
deutschen Anatomie-Geschichte und vor allem auch mit anatomischen
Präparaten, die aus der NS-Zeit stammen, umgegangen wurde.

"Der Band stellt die Erkenntnisse zusammen, die in Deutschland und im
Ausland in den letzten Jahren gewonnen wurden, und macht so auch die
Aspekte deutlich, die noch weiterer Forschungsarbeit bedürfen", betont
Sabine Hildebrandt. "Der neue, offene Umgang mit dem Thema unter den
deutschen Anatomen findet international Anerkennung."

Auch die Anatomische Gesellschaft selbst und diejenigen ihrer Mitglieder,
deren Leben und Karrieren vom nationalsozialistischen Regime unterbrochen
oder beendet wurden, sind Gegenstand des Sonderheftes. Die Anatomische
Gesellschaft, eine internationale wissenschaftliche Gesellschaft, die in
diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feiert, bekennt sich mit diesem
Sonderheft zu ihrer Geschichte. Bereits in der Festschrift, die sie
anlässlich des Jubiläums herausgab, veröffentlichte sie eine Gedenkliste
der während des Nationalsozialismus verfolgten deutschen Anatomen.

Literatur:
S. Hildebrandt and C. Redies (Eds.) Anatomy in the Third Reich. Annals of
Anatomy, 2012, Vol. 194, Issue 3


Um das Sonderheft einer möglichst breiten Leserschaft zugängig zu machen,
hat der Elsevier-Verlag das Sonderheft für alle frei zugängig ins Internet
gestellt:
<
http://www.sciencedirect.com/science/journal/09409602/194>

Weitere Hintergrundinformationen auf der Homepage des Jenaer Instituts für
Anatomie:
<
http://www.anatomie1.uniklinikum-jena.de/SW5zdGl0dXQgZnVlciBBbmF0b21pZSBJIC0gR2VzY2hpY2h0ZQ%3D%3D.html>

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Christoph Redies
Institut für Anatomie I, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 938511
E-Mail: redies[at]mti.uni-jena.de

Dr. Sabine Hildebrandt
Division of Anatomical Sciences, University of Michigan
Tel.: +1 - 734 - 647-5427
E-Mail: shilde[at]umich.edu

Arten der Pressemitteilung:
Buntes aus der Wissenschaft
Wissenschaftliche Publikationen

Sachgebiete:
Geschichte / Archäologie
Gesellschaft
Medizin


Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/de/news479594

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/de/institution1461


--
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw -
WWW:
http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de




May 24 / 4:54pm

--->>> Können sich Volkswirtschaften aus der Krise sparen? [via Nachdenkseiten]


Können sich Volkswirtschaften aus der Krise sparen?

 
[via Nachdenkseiten]
 
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13332#more-13332
 
 

Wir kennen alle die Propaganda von Gesundsparen in Politik und Medien, die allerdings meist wenig konkret ist. Seitens der Wissenschaft wird allgemein eingeräumt, dass Austeritätsprogramme negative Folgen für Wachstum und Beschäftigung haben – allerdings nur in der sehr kurzen Frist. Angestoßen durch einen Beitrag in der Neuen Züricher Zeitung "Wie Schweden sich aus der Krise sparte" untersucht Orlando Pascheit die Argumentation von prominenten Vertretern die für ein "Heraussparen aus der Krise" plädieren.

Wir kennen alle die Propaganda von Gesundsparen in Politik und Medien, die allerdings meist wenig konkret ist. Seitens der Wissenschaft wird allgemein eingeräumt, dass Austeritätsprogramme negative Folgen für Wachstum und Beschäftigung haben – allerdings nur in der sehr kurzen Frist. In einem Artikel der WirtschaftsWoche mit dem Titel "Die Mär vom Kaputtsparen"

resümiert OECD-Ökonom Eckhard Wurzel: "Alles in allem mangelt es also nicht an Sparstrategien, die Wachstum und Beschäftigung nicht behindern oder gar fördern – wenn dies auch nicht gleich im ersten Jahr sichtbar sein mag."

Auf den zentralen Mechanismus dabei verwies der spätere EZB-Chefökonom Jürgen Stark 2003 in der Welt: "Spart der Staat bei den Ausgaben, um den Haushalt zu konsolidieren, sind durch den Gewinn an Glaubwürdigkeit schon nach kurzer Zeit positive Wachstumseffekte zu erwarten". Auch Harvard-Ökonom Alberto Alesina kommt in seinen Untersuchungen zum Ergebnis, dass sich Volkswirtschaften manchmal, tatsächlich sogar oft, gut entwickeln würden, selbst wenn das staatliche Defizit rigoros reduziert würde. Das Sparprogramm könne das Vertrauen auf eine Weise steigern, dass dadurch eine Konjunkturerholung ausgelöst würde. Ein nachhaltiger Sparkurs würde angesichts der hohen Schuldenlast die Furcht vor Steuererhöhungen nehmen und die Privaten würden wieder zu investieren beginnen. Hierzu ist auch ein Vortrag von Alesina beim BMF (!)

anzuschauen bzw. anzuhören. http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_54/nsc_true/DE/BMF__Startseite/Ministerium/Veranstaltungen-und-Ausstellungen/Alesina/BMF-im-Dialog-Alesina.html?__nnn=true

Interessant ist, dass Alesina Mitte 2011 in Unkenntnis der späteren Entwicklung von Erfolgen beim griechischen Defizitabbau spricht. Fast witzig ist, dass in Alesinas Vortrag die These einen breiten Raum einnahm, dass Regierungen trotz Konsolidierungskurs keine Abwahl zu fürchten hätten. Unter den Ländern, welche sich durch Sparprogramme erfolgreich entwickelten, nennt der Wissenschaftler auch Schweden. Es stand fast zu erwarten, dass auch die ausgesprochen wirtschaftsliberale NZZ irgendwann ein Beispiel für das Heraussparen aus Krise hervorholen würde. Bei Schweden wurde sie dankenswerterweise fündig. Unter dem Titel "Wie Schweden sich aus der Krise sparte"

schreibt die NZZ: "1993 stand Schweden vor dem Kollaps. Die Genesung des nordischen Landes führte unter anderem über ein grosses Sparprogramm und die Einführung strenger Budgetregeln, deren Säulen ein Ausgabenlimit sowie ein Überschussziel sind."

Nur liegen die Dinge nicht so einfach, wie dann schon der Untertitel mit dem Ausdruck "unter anderem" zwar angedeutet, aber von Ingrid Meissl Årebo nicht konsequent zu Ende gedacht wird. Niemand leugnet, dass in Schweden ein beachtliches Sparprogramm umgesetzt wurde, allerdings sind einige gravierende Vorbehalte anzumelden, was die Wachstumsursachen und die Übertragbarkeit des schwedischen Modells betrifft. Wenn man den Artikel aufmerksam liest, wird man zunächst feststellen, dass die Schweden intelligent gespart haben. Von vornherein war klar, dass lineare Kürzungen suboptimal gewesen wären (sozusagen ein umgekehrtes Gießkannenprinzip), d.h. einzelne Ausgabenkategorien wurden sehr unterschiedlich behandelt, vor allem aber wurde auch die Einnahmeseite des Staates gestärkt. Lohnsenkungen, wie sie die Troika Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien aufzwingen möchte, wären für Schweden undenkbar gewesen. Selbst ein wirtschaftsliberaler Ökonom wie

Allan Meltzer beweist hier mehr Realitätssinn als Europa: "Wir reden hier von Lohnkürzungen von 20 bis 30 Prozent. Das entspricht etwa dem, was während der Großen Depression geschehen ist – und das zusätzlich zur Wachstumsschwäche der letzten Jahre. … Manche Beobachter hier in den USA glauben, dass es zu sozialen Unruhen kommen kann, dass Regierungen stürzen, ja dass es an manchen Orten Revolutionen geben wird."

Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Ziele der schwedischen Finanzpolitik z.T. weit über Maastricht hinausgehen, wenn z.B. ein Haushaltsüberschusses von einem Prozent vom BIP angestrebt wird. Aber auch hier setzt Schweden Zeichen einer intelligenten Fiskalpolitik, indem dieses Ziel nicht für ein einzelnes Jahr, sondern für den Zeitraum eines Konjunkturzyklus gilt. Defizite sind also möglich. Die Kommunen sollen einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren. Nur was passiert, wenn eine Gemeinde ein entstandenes Defizit nicht innerhalb von den vorgeschlagenen drei Jahren nicht korrigieren kann? Es erfolgt keine Sanktion. Es gibt keine formale Möglichkeit diese Politik mit automatischen Sanktionen durchzusetzen – ganz im Gegensatz zur deutschen Schuldenbremse und zu dem, was im europäischen Fiskalpakt vorgesehen ist. Dennoch wurden diese neuen Regeln im Großen und Ganzen eingehalten. Der bedeutenden Schwedische Ökonom Lars Calmfors schrieb dazu: "Schwedens fiskalische Entwicklung legt nahe, dass Transparenz und eine auf hohem Niveau geführte Debatte über die Wirtschaftspolitik für die Haushaltsdisziplin möglicherweise bedeutender sind als formal bindende Vorschriften." Bereits hier werden aber auch die Grenzen des schwedischen Modells deutlich. Die breite Akzeptanz solcher Regeln ist einem Europa mit ganz disparaten Traditionen allein im Steuerwesen nicht vorstellbar. Zu unterschiedlich ist aber auch die jeweilige Ausgangslage von Einkommen, sozialer Absicherung oder Ausbildung. Wenn z.B. im Artikel der NZZ auf den Umbau des Rentensystems hingewiesen wird, so muss man wissen, dass im heutigen Schweden den Rentnern immer noch ein größerer Anteil des Bruttoinlandsprodukts zugutekommt als in jedem anderen Land der Welt.


Kommen wir zu dem oben genannten " unter anderen". Ganz am Ende des Artikels steht, kurz und knapp: "Die Budgetsanierung war jedoch nur ein Pfeiler der erfolgreichen Überwindung der schwedischen Krise. Die massive Kronenabwertung verlieh der Exportindustrie Flügel, die auch vom allgemeinen Aufschwung der wichtigsten Handelspartner profitierte."

In einer

IWF-Studie ( http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h05 ) haben Guajardo, Leigh und Pescatori in Kenntnis älterer Literatur zu diesem Thema eine eindeutige Tendenz nachgewiesen, wonach Sparprogramme die Konsumausgaben verringerten und die Wirtschaft schwächten. Im Grunde wären die Folgen geradezu katastrophal gewesen, wenn Wirtschaftseinbruch und Konsolidierungspolitik nicht dazu geführt hätten, dass die heimische Währungen an den Finanzmärkten abgewertet wurden und dadurch die Exporte des "sparenden" Landes befördert wurden. Dies deckt sich mit einer Untersuchung von Roberto Perotti, der 1997 noch zu dem Schluss gekommen war, dass Haushaltskonsolidierung Wirtschaftswachstum befördern könne, aber 2011 in seiner Arbeit "The Austerity Myth: Gain Without Pain?" [PDF - 1 MB] (http://www.bis.org/publ/work362.pdf) zwar Beispiele für Länder liefert, die nach einer Konsolidierung einen kurzfristigen Wirtschaftsaufschwung erlebt hatten, er aber auch zu der Erkenntnis kommt, dass dieser Aufschwung mit einer starken Abwertung der Landeswährung einherging, die den Export ankurbelte. Meines Erachtens liegt hier der entscheidende Schwachpunk in der Argumentation Alesinas, auch wenn er einräumt, dass die Folgen eines Sparkurses sehr unübersichtlich seien. Schlussendlich lassen wir den Schweden Calmfors sprechen: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2012/03/von-schweden-lernen/
"In Schweden wurde die Haushaltskonsolidierung in den 1990er Jahren von einem hohem Outputwachstum begleitet – ein Umstand, welcher als Beispiel für die expansive Wirkung einer kontraktiven Fiskalpolitik zitiert wurde (Giavazzi und Pagano 1996). Dies ist ein falscher Rückschluss (Fiscal Policy Council 2011), da die schwedische Wirtschaft aufgrund einer starken Abwertung des realen Wechselkurses wuchs: Von 1991 bis 1993 fielen die relativen Lohnstückkosten um 20 Prozent, was größtenteils einer nominalen Abwertung des Wechselkurses geschuldet war. Die Folge war ein Anstieg der Nettoexporte (siehe Abbildung 1). Die dadurch entstandenen stimulierenden Effekte, Zweitrunden-Multiplikatoreffekte eingeschlossen, erlaubten ein Wachstum der aggregierten Nachfrage zwischen 1994 und 2000 trotz der Haushaltskonsolidierung."

Dieses "trotz der Haushaltskonsolidierung" sagt eigentlich alles und befördert alle, die da meinen, Sparpolitik befördere Wirtschaftswachstum, in das Aus – erst recht innerhalb einer Währungsunion. Da können Griechenland, Spanien oder Portugal in eine Rezession fallen und sparen ohne Ende, eine Abwertung und daraufhin steigende Exporten sind per definitionem in der Eurozone nicht möglich, worauf auch der oben genannte Perotti hinweist.

Hinzukommt, dass Länder wie Griechenland oder Spanien z.B. im Verhältnis zu Schweden kaum mit einer wettbewerbsfähigen Industrie ausgestattet sind, was sich u.a. an der Exportquote (Exporte als Anteil am BIP) ablesen lässt. Die Exportquoten im Warenhandel lagen 2011 für Griechenland bei 11, 5 Prozent, für Spanien bei 20,4 Prozent und für Schweden bei 35,5 Prozent. Wer sich über die schwache industrielle Basis Griechenlands genauer informieren möchte, kann sich bei der

UNIDO informieren. http://www.unido.org/index.php?id=1001461

So hatte beispielsweise Schwedens Wertschöpfung in der verarbeitenden Industrie (Manufacturing Value Added) einen EU-Anteil von 3,2 Prozent im Jahre 2000, von 3,9 Prozent im Jahre 2005 und von 4,2 Prozent im Jahre 2010, während Griechenland 2000 auf 0,8 Prozent, 2005 auf 0,9 Prozent und 2010 auf 1 Prozent kam. Portugal hat sich im selben Zeitraum von 1,2 Prozent auf 1,1 Prozent verschlechtert. Das weitaus größere Spanien sank von 6,6 Prozent (2000) auf 5,9 Prozent (2010). Ähnlich sieht es aus, wenn man beispielsweise die Wertschöpfung pro Beschäftigten in den einzelnen Branchen ansieht. Über die UNIDO-Statistik lassen sich sogar die Lohnstückkosten in einzelnen Branchen berechnen. Selbst dort wo die Wertschöpfung hoch und die Lohnstückkosten niedrig sind, ist zu beachten, wie groß der Anteil der verarbeitenden Industrie (Anteil am BIP) in einem Land ist: Griechenland: 9 Prozent, Portugal: 13 Prozent, Spanien: 12 Prozent, Schweden: 20 Prozent. – Für Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien, die ihre externen Schulden über Exporteinnahmen bedienen sollen, bedarf es, ob nun in der Währungsunion oder außerhalb, einer Verbreiterung der industriellen Basis, welche allerdings nicht in der kurzen Frist herzustellen ist. Konjunkturprogramme bringen hier wenig, gefragt sind, auch vonseiten der europäischen Union, Investitionsprogramme z.B. für den jeweiligen Mittelstand – das geht nicht ohne Geld, wie uns die Rede von den sogenannten "Strukturreformen"

weismachen will [PDF - 50 KB]. http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120427_anmerkung_op.pdf

D.h. aber letztlich, dass diese Länder an ein Tabu des marktgläubigen, europäischen Binnenmarktprojekts rühren müssen, indem sie Industriepolitik betreiben, indem sie öffentliche Mittel einsetzen, um bestimmte Wirtschaftszweige zu fördern oder nationale Industrien zu schützen. Es genügt eben nicht, dass wir nun alle Feta und Olivenöl kaufen. – Natürlich hat das Exportkapital Kerneuropas nur wenig Interesse daran, dass die europäische Peripherie industriell aufrüstet und sich zur Konkurrenz entwickelt. Da ist es doch viel schöner, wenn der europäische Steuerzahler Transfers in diese Länder finanziert und das Kapital diese über seine Exporte wieder abschöpft.


May 24 / 4:43pm

Nokia in Bochum, Rumänien, Indien Die Schattenseiten des Wanderkapitalismus um 21:45 Uhr in #MONITOR im #Ersten


MONITOR

 
Sendung am 24.05.2012
um 21:45 Uhr
im Ersten [ARD]
 
http://www.wdr.de/tv/monitor/
 
 
Die Themem:
 

 

Nokia in Bochum, Rumänien, Indien
Die Schattenseiten des Wanderkapitalismus

 

Die Jagd nach Patienten:
Werden immer mehr Menschen unnötig operiert?

 

Den Euro retten, die Demokratie ruinieren?
Wie Politiker in der Krise wieder den Banken folgen und die Bürger verlieren

 

May 20 / 11:18am

--->>> Mit schlechterem Journalismus und #Kommerz im #Netz #zu #besseren #Geschäften. [tagtäglich nachvollziehbar!]


In wessen Interesse?

Mit schlechterem Journalismus und Kommerz im Netz zu besseren Geschäften.

junge Welt will linken Journalismus entwickeln

Von Dietmar Koschmieder

[via JUNGE WELT]


Mit Ausnahme von junge Welt haben alle überregionale Tageszeitungen in den letzten zehn Jahren an Aboauflage verloren, der Verkauf am Kiosk ging teilweise noch dramatischer zurück. Die Ursachen sind vielfältig. Die Printbranche »leidet darunter, daß viele Leser ins Internet abgewandert sind«, schreibt die Berliner Zeitung am Freitag. Allerdings agieren die Zeitungen auch im Internet nicht sehr erfolgreich, was das Geschäft mit dem Inhalt betrifft: Keine konnte die Verluste aus Abo- und Kioskverkauf nur annähernd über das Internetgeschäft ausgleichen. Verlage geben zwar riesige Summen für immer neue Onlinexperimente aus, die daraus gewonnenen Erkenntnisse beschränken sich in der Regel aber darauf, was so alles nicht geht.

Welche Interessen damit verfolgt werden, beschreibt die Berliner Zeitung ganz offen: »Wie läßt sich mit Journalismus in Zukunft Geld verdienen? Welche Zukunft haben angesichts schrumpfender Auflagen gedruckte Zeitungen, und wie lassen sich online bisher kostenlos angebotene Inhalte kommerzialisieren?« Bis vor einigen Jahren wurde das Hauptgeschäft mit Anzeigen gemacht. Hier verlagern sich Umsätze aber auf andere Medien. Also wird stärker auf Erlöse aus dem Abo- und Kioskverkauf gesetzt, werden Preise erhöht, Kosten reduziert. Weil Journalismus Rendite abwerfen soll, nutzt man häufiger Pauschalware der Agenturen, ersetzt festangestellte durch freie Journalisten, faßt Redaktionen zusammen. So gab es noch vor zehn Jahren bei Springer eigenständige Redaktionen für Morgenpost, Die Welt und Welt am Sonntag. »Begleitet von einem massiven Stellenabbau wurden die drei Redaktionen zu einer einzigen Zentralredaktion zusammengelegt. Mittlerweile produziert sie (…) zwölf Titel« beschreibt die Berliner Zeitung einen Zustand, von dem sie auch selbst betroffen ist, weil auch im Hause Dumont redaktionelle Leistung gleich für mehrere Titel genutzt wird. Die Konsequenzen: journalistische Qualität sinkt, Zeitungen werden austauschbar.

Und nur deshalb kann das Internet zur gefährlichen Konkurrenz für Tageszeitungen werden: Wenn man dort und anderswo mit pauschalen Nachrichten zugeschüttet wird, legt man für solche Informationen auch kein Geld mehr hin. Warum soll man sich die eine oder andere Zeitung kaufen, wenn deren Inhalte sich nur noch in der Art der optischen Aufbereitung unterscheiden, ansonsten aber die gleichen Blickwinkel, Interessen, Gedanken angeboten werden? Die Sparkonzepte lösen die Probleme nicht, sie verschärfen sie. Die verkaufte Auflage sinkt weiter.

Warum aber schafft es mit der jungen Welt ausgerechnet die finanzschwächste überregionale Tageszeitung, den Bestand an bezahlten Printabos bescheiden zu entwickeln und nennenswert Internet­abonnements zu gewinnen? junge Welt hat zwei entscheidende Vorteile: Sie vertritt einen konsequent linken Standpunkt und unterliegt keiner Kapitalverwertungslogik.

Wenn Zeitungskonzerne einer Finanzgruppe gehören, sollen sie 15 bis 20 Prozent Rendite abwerfen und sind auch in ihrer inhaltlichen Positionierung nicht frei. junge Welt hat einen klaren und damit erkennbaren Standpunkt, von dem aus sie Informationen auswählt, analysiert, kommentiert. Da wird nicht wie anderswo verschleiert, wer wessen Interessen vertritt. Deshalb ist diese Zeitung nicht austauschbar und deshalb gibt es eine Bereitschaft der Lesenden, sich an den Kosten für Print- wie Onlineausgabe zu beteiligen.

Der Nutzwert der Printausgabe ergibt sich allein schon dadurch, daß sie aus der Fülle der täglich einströmenden Informationen eine auf (in der Regel) 16 Seiten beschränkte gegliederte Übersicht sorgfältig ausgewählter Information anbietet. Der Leser kann sich bestens orientieren, findet täglich Kommentar, Nachricht, Bericht, Hintergrund, Kultur und Politik auf festen Plätzen, auf Überflüssiges wird verzichtet. Um sich also eine Tagesübersicht mit erster Bewertung aus linker Sicht zu verschaffen, ist das tägliche Printangebot der jungen Welt unschlagbar.

Dieser große Vorteil bedingt gleichzeitig den entscheidenden Nachteil der gedruckten Ausgabe: Wer zusätzliche Informationen braucht, wer ein Thema über mehrere Tage verfolgen, ein persönliches Archiv anlegen, die jW schneller und unabhängig vom Ort nutzen will, wird mit der Onlineausgabe besser bedient. Diese Vorteile des Onlineangebotes wiederum bedingen dessen entscheidenden Nachteil: Im Internet ist es für Macher und Nutzer wesentlich schwieriger, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Das führt dazu, daß viele Internetportale ihre Leserinnen und Leser mit einer Fülle von zum großen Teil überflüssigen Informationen, Kommentaren und Spielereien überfluten.

Online- wie Printausgaben der jungen Welt bleiben aufgeräumt und übersichtlich, sind sich ergänzende journalistische Produkte. Ihre außerordentliche Qualität verdanken sie dem Umstand, daß ihre Macher das Geschehen im Lande und weltweit unabhängig von Parteien, Kirchen und Konzernen bewerten können und dabei mit professionellen journalistischen Mitteln arbeiten. Sie beschreiben, was tatsächlich ist – nach Ferdinand Lassalle und Rosa Luxemburg die revolutionärste Tat schlechthin. Zumindest für eine linke Tageszeitung.

Aber auch junge Welt ist abhängig von ihren Geldgebern, wenn sie auf dem knallharten Markt gegen alle widrigen Umstände existieren und Print- wie Onlineprodukt weiterentwickeln will. Unabhängig kann die junge Welt nur bleiben, wenn diese Geldgeber vor allem die Nutzer der Zeitung sind. Deshalb entscheidet über Existenz und Entwicklung der jungen Welt, daß alle Leserinnen und Leser erkennen, daß ohne ihr Abonnement linker Journalismus nicht finanziert werden kann. Und sich dabei nicht zwischen Print- und Onlineabo, sondern für das ganze Produkt mit beiden Versionen entscheiden.

Verlag und Redaktion werden in den kommenden Monaten den Nutzwert der Zeitung erhöhen, in dem Vorteile von Print und Online optimal miteinander kombiniert werden. Heute und erst recht in Zukunft haben jene Leserinnen und Leser den größten Nutzen, die uneingeschränkt auf Online und Print zugreifen können.



May 19 / 5:45pm

--->>> Informationsdienst des Deutschen Bundestages betitelt Jobcenter als "Strafgesetzbuch Behörden"


Informationsdienst des Deutschen Bundestages betitelt Jobcenter als "Strafgesetzbuch Behörden"

[via gegen-hartz.de]

 

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-jobcenter-jetzt-strafgesetzbuch-behoerde-900939.php


Hartz IV Kritiker werden ihren Augen nicht trauen. Der Informationsdienst des Deutschen Bundestages hat stellvertretend erstmals zugegeben, dass Jobcenter "Strafgesetzbuch II Behörden" statt "Sozialgesetzbuch II-Behörden" sind.

Dieser sehr wahrscheinliche "Freud'scher Versprecher" findet sich gleich in der Überschrift der Mitteilung: "Im Bundestag notiert: Widersprüche gegen Entscheidungen von Strafgesetzbuch-II-Behörden."

In der Meldung war zu lesen, dass die Zahl der Widersprüche gegen Entscheidungen von "Strafgesetzbuch-II-Behörden" (gemeint sind wohl die strafende Jobcenter) in den letzten sieben Jahren gestiegen sind. Im Vorfeld hatte die Partei "Die Linke" eine entsprechende Anfrage an die schwarz-gelbe Bundesregierung (17/9223) gestellt. Die Widersprüche gegen Entscheidungen der Jobcenter sind von 666.969 auf 721.600 und die Klagen von 38.655 auf 144.180 gestiegen (Zeitraum 2005 bis 2011).

Ein Freud'scher Versprecher (nach dem Psychoanalytiker Sigmund Freud benannt) ist ein verbaler Ausrutscher, bei dem der eigentliche Gedanke versehentlich und gegen den Willen des Sprechers zu Tage tritt. Mit Dank an den Hinweisgeber Rechtsanwalt Ludwig Zimmermann. (sb)



May 18 / 5:23pm

"Wir werden durch #Werbung, #Neid und #Konsumterror #unzufrieden gemacht,um so #Wachstum #zu generieren."

   


Leserbriefe:

Humane Wirtschaft
(Frankenpost - Hofer Anzeiger - 10.08.2011 - Seite 3)

 

"Wir werden durch Werbung,

Neid und Konsumterror unzufrieden gemacht,

um so Wachstum zu generieren."

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